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Dezember 2019

Auf Entdeckungstour durch Island mit dem neuen Land Rover Defender | Bei Bellerby & Co in einem speziellen Workshop Globen fertigen | Atemberaubende Drohnenfotografien | Autorin Helen Russell beschreibt die Bedeutung des Glücks | Exklusive Kurzgeschichten von Jean Macneil

Exklusive Kurzgeschichte

Exklusive Kurzgeschichte Pferdemenschen Von Jean McNeil McNeil stammt aus Nova Scotia, Kanada, und ist preisgekrönte Autorin von dreizehn Büchern, darunter sechs Romanen. Sie war Verfasserin beim British Antarctic Survey und ist professionelle Safari-Führerin. Ihr jüngster Roman, Fire on the Mountain, spielt im südlichen Afrika. W ir kamen Ende August, mitten im Frühling, in den Zederbergen an. Das Land war mit Blumen bedeckt, die, wie ich später erfuhr, Haemanthus heißen oder Blutlilie. Wir wurden von fünf Frauen und drei Hunden empfangen. Ich sagte: „Das sieht dir ähnlich, Leo, einen Bauernhof voller Frauen zu finden.“ Helene war eine robuste Frau Mitte 40, scharfsinnig, aber nicht unfreundlich. Als sie sah, dass ich den Pferdeanhänger fuhr, sagte sie: „Ach, Gott sei Dank, eine Frau!“ Später erzählte Helene uns, dass ihr Vater an einem Herzinfarkt gestorben sei – „zu viel Braai“. Die Söhne waren im Internat. Es gab einen männlichen Vorarbeiter draußen im Busch. Sie zeigte auf einen Sandweg. „Es ist schon eine Weile her, dass wir Pferdemenschen auf dem Hof hatten, die Ställe sind in einem schlechten Zustand. Aber zumindest haben Sie hier Ihre Privatsphäre.“ Sie dachte, wir wären ein Paar, wie die meisten Leute anfangs, und Leo tat nichts, um sie aufzuklären. „Achten Sie einfach auf die Paviane“, sagte sie. „Lassen Sie Ihre Tür nicht offen, auch nicht für eine Sekunde.“ Wir fuhren den Sandweg hinunter. Ockerfarbener Schiefer türmte sich auf beiden Seiten in steilen Mauern auf. Ich spürte die Blicke des Khoisan. Wir sahen die schlanke Silhouette des Buschmanns überall hier, auf der Verpackung des Bio-Rooibos der Helene Farmen, an den Ferienhäusern, die sie vermietete und auf den Reisebroschüren in Clanwilliam, überall, außer auf dem Land, das sie einst zu Fuß durchquert und auf dem sie Leoparden und Löwen gejagt hatten. Wir erreichten die Ställe. Eeshani war schweißüberströmt. Leo sagte: „Was macht ein Vollblut bei dieser Hitze?“ „Das, was ich tue. Wenn es für sie zu heiß wird, gehe ich zurück“, sagte ich. Ich führte Eeshani in den Stall, der nach Most und Pavianmist roch. Reste alten Zaumzeugs, versteinert durch die Ofenhitze der Zederberge, baumelten wie Biltong von rostigen Nägeln. Eeshani hielt die Nase in den Stall, schüttelte sich. Ich setzte mich auf einen versteinerten Heuballen. Hatten wir wirklich alles hinter uns gelassen? Den Lehmboden des Gartens, die Ananaslilien, den Leguanrücken des Tafelbergs, der den Himmel schert. „Janine, es gibt kein Zurück.“ Leos grüne Augen waren dunkel. „Du hättest bleiben können“, sagte er. „Es sind nicht deine Kredite.“ „Soll ich dich in deinem Exil allein lassen? Würdest du dich dadurch weniger schuldig fühlen?“ Darauf hatte er keine Antwort. Siegfrieds Blick war unmissverständlich und ängstlich. Der Schrecken in den Augen des Pferdes war unübersehbar. Er war es nicht gewöhnt, dass wir uns stritten. Leo und ich hatten immer ein instinktives Gefühl für die innere Realität des anderen. Es war diese natürliche Sympathie und unsere Liebe zu Pferden, die uns verband. Tatsächlich waren die Pferde die Verbindung. Sein Pferd, mein Pferd und wir beide waren ein unzertrennliches Quartett. Wir haben uns an das Leben auf Helenes Hof gewöhnt. Wir vergaßen unser altes Leben so schnell, dass ich mich fragte, warum ich mich früher davor gefürchtet hatte, Brücken abzubrechen. Im Frühling fielen die Pflaumen vom Baum vor unserer Hütte und Marine machte sauren Granadilla- Kuchen und brachte ihn jeden Tag vorbei. Die Besucher waren zunächst stets überrascht, dass ich die Touren leitete. Sie sagten selten etwas, bis sie mein Gewehr sahen, die .375, die ich in einer Satteltasche versteckte. Manchmal versuchten sie, einen Witz zu machen. Und, wirst du mich töten, wenn ich meine Zügel nicht richtig halte? Ich lächelte nur und sagte, es sei in Südafrika Gesetz, in Wildnisgebieten bewaffnet zu sein. Im Frühjahr mieden wir die Post. Als wir hingingen, ILLUSTRATION: DAVID DORAN 72

wartete ein Stapel alarmierender Briefe, die mit „Letzte Warnung“ und „Die Gerichtsvollzieher wurden angewiesen“ abgestempelt waren. Dazwischen lagen andere Briefe auf dickem Briefpapier, die in makelloser Handschrift an Leo adressiert waren. Er gab keiner der Frauen, die mit ausritten, seine persönliche E-Mail- Adresse und überließ mir diesen Teil unseres Geschäfts (mit den Worten „E-Mails sind gegen meine Religion“). Ich dachte an die Frauen in den südlichen Vororten der Stadt, die von Leo, dem wilden Mann, träumen, der in den trockenen Norden verschwunden war. Er las die Briefe und verbrannte sie. Wir saßen um das Feuer herum und beobachteten ihre Asche beim Tanzen über den Flammen, die hoch in den Nachthimmel getragen wurde und dann ihren Platz unter den Sternen einnahm. Es war Februar, Hochsommer, und die goldene Axt der Sonne schlug unerbittlich nieder. Eines Nachmittags flippte Helene in ihrem Bakkie aus. Der merkwürdige Winkel, in dem sie ihn parkte, sagte alles. „Es gab eine Beschwerde“, sagte Helene, bevor sie überhaupt an unserer Tür war. „Weshalb?“ „Die Mutter der Familie, mit der Sie gestern draußen waren, sagte, Leo habe sie anzüglich angesehen.“ Ich versuchte, mich an die Familie zu erinnern, die übliche Quadrille, Europäer aus Deutschland oder Holland. Die Kinder lauschten gebannt Leos Geschichten von der Giraffe, die vor 500 Jahren durch diese Ebenen zog. Sie lehnte sich an die Stalltür. „Es geht nicht gegen dich. Um Gottes willen, du bist ja nicht einmal seine Freundin.“ Sie sah nach unten. „Es tut mir leid. Das geht mich nichts an.“ Ich schüttelte den Kopf. „Er ist kein Lüstling, sondern einfach wachsam. Er ist für alle da draußen verantwortlich, so wie ich. Deshalb starrt er sie an. Frauen interpretieren das oft falsch.“ Helene grinste, vielleicht wegen des Wortes „interpretieren“. „Ihr Pferdemenschen seid eben anders.“ Ich fand Leo in Siegfrieds Stall. „Warum machst du das? Ich dachte, du wolltest eine Pause machen.“ „Das mache ich ja.“ Seine Stimme klang bissig. Er vermied es, mir in die Augen zu sehen. „Ich muss nur Abstand bekommen von meinen Gedanken.“ Ich lehnte mich an das Heunetz, die scharfen Enden des geschnittenen Heus kratzten mich am Rücken und ich sah in seine grünen Augen. Mir schien, dass er unsere Beziehung noch immer nicht verstand. Hielt er mich für eine dieser Frauen, die in sein Bett fielen wie aus einem automatischen Spender? „Es ist nicht nötig, dass wir es zerstören.“ Leos Augen drehten merkwürdig zur Seite, flüssig, eidechsenartig. „Ohne dich könnte ich nicht leben.“ „Ich bin nicht deine Frau.“ Das Zischen im Wort. Leo hörte es auch, als hätte sich eine Schlange in den Stall geschlichen und sich wieder zurückgezogen. Helene gewährte uns eine Atempause. Sie mochte uns beide, aber sie war vorsichtig. Sie würde kurzfristig keine anderen Pferdemenschen finden. Wir putzten zwei Tage den Stall von oben bis unten. Der Winter kam mit Kälte und Hitze. Morgens trugen wir Gänsedaunenjacken und Handschuhe. Um 10 Uhr mussten wir uns jedoch bereits bis auf das Unterhemd ausziehen. Der August kam mit Frühling im Gepäck und der Blumenpracht, die diesen trostlosen Ort für sechs Wochen im Jahr bedeckt: Sneeuprotea, Blou Bergaster, Geel Perdekop, Geel Botterblom, Boegoe, Pienk Handjie. Die roten Extreme, die Hitze, die granatapfelfarbenen Sonnenuntergänge Wind, der durch raues Gras singt, schienen uns zu ermutigen, zu bleiben. Wir fuhren zum Damm, eine Reise, die wir oft machten. Der künstliche See war ausgebaggert worden, um die Zitronenfarmen zu bewässern, die sich über Hunderte von Kilometern in alle Richtungen erstreckten. Wir begleiteten eine Familie aus Kapstadt, der Vater Geschichtsprofessor, vielleicht aus Rondebosch oder Newlands, und besuchten jeden Sommer die Konzerte des Botanischen Gartens Kirstenbosch. Die Kinder ritten geübt im guten englischen Sitz und waren aufmerksam. Leo ritt hinter uns in Sicherungsposition. Die Familie beobachtete durch das Fernglas die Trappen, neben mir ritt die Mutter, die einst sicher eine sehr schöne, schmale blonde Frau war, jetzt noch von zartem Knochenbau. Sie hatte ihr Gesicht unter einem rosafarbenen Golfvisier versteckt. „Es ist so gut, eine Frau vorn zu sehen.“ Sie blitzte mir ein schüchternes Lächeln zu. „Haben Sie keine Angst?“ „Nein, ich reite seit meiner Kindheit.“ Sie zeigte auf Leo, der den Bereich hinter der Gruppe im Blick behielt, mit dem Rücken zu uns. „Ihr Mann?“ „Nein, wir sind Freunde und Geschäftspartner.“ Ich weiß nicht, warum ich das erzählte, das war unnötig. „Es ist doch gefährlich, die Menschen in die Wildnis zu führen.“ Ich mochte es, mich mit den Touristen unbeschwert zu unterhalten. „Es ist viel entspannter, als im Lowveld zu reiten“, sagte ich. „Es gibt hier keine Löwen.“ „Würden sie ein Pferd angreifen?“ „Oh ja. Ein Pferd sieht aus wie eine Roan oder eine Zobelantilope oder ein Kudu.“ Ich erzählte der Frau, dass ich beim Reiten im 73

 

LAND ROVER MAGAZIN

 

Das Land Rover Magazin präsentiert Geschichten aus aller Welt, die für innere Stärke stehen und das Motto „Above and Beyond“ repräsentieren.

In dieser Ausgabe testen zwei inspirierende junge Abenteurer den neuen Defender bei ihrer Vorbereitung auf die Expedition zum Südpol. Außerdem feiern wir 50 Jahre Range Rover mit einer Entdeckungsreise nach Dubai. Wir blicken sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Dabei erläutert uns eine Gruppe von Visionären die Technologien, die die Zukunft für uns alle verändern könnten.



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